Rückblick Podiumsdiskussion: "Zivilgesellschaft in Gefahr - Wohin steuert Leipzig?"

Die zivilgesellschaftliche Demokratiearbeit steht unter Druck: Während demokratie- und menschenfeindliche Einstellungen weiter an Raum gewinnen und der Bedarf an Bildungs-, Beratungs- und Vernetzungsangeboten steigt, werden Ressourcen knapper, Förderzugänge schwieriger und Planungssicherheiten geringer. Vor diesem Hintergrund lud das Leipziger Netzwerk für Demokratie am 15. April 2026 zur Podiumsdiskussion „Zivilgesellschaft in Gefahr – Wohin steuert Leipzig?“ ins Erich-Zeigner-Haus ein.  

Schon der Rahmen machte deutlich, wie groß das Interesse am Thema ist: Über 50 Gäste kamen in die frisch sanierten Räume des Erich-Zeigner-Hauses, der Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Für das Haus war es zugleich eine besondere Premiere: Erstmals fand dort nach der Sanierung wieder eine offizielle Veranstaltung statt. 

Den Abend eröffnete Henry Lewkowitz, Geschäftsführer des Erich-Zeigner-Haus e. V., mit einer Begrüßung und einer inhaltlichen Einordnung. Anschließend gaben Andrea Schultz von der Stadtforschung Leipzig und Christopher Pollack vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig erste Einblicke in Ergebnisse des Leipziger Demokratiemonitors. Dabei wurde deutlich: Demokratiefeindliche Einstellungen sind kein abstraktes Problem, sondern spiegeln sich auch in lokalen Befunden wider. Die Frage, wie Leipzig darauf reagiert, ist damit keine theoretische, sondern eine höchst praktische. 

Im Anschluss stellte Emily Bandt vom Leipziger Netzwerk für Demokratie zentrale Ergebnisse der LND-Bedarfsanalyse zur aktuellen Lage der Demokratiearbeit in Leipzig vor. Ein Befund zog sich dabei wie ein roter Faden durch den Abend: Die Nachfrage nach Angeboten der Demokratiearbeit wächst stetig – die Ressourcen wachsen allerdings nicht mit. Im Gegenteil: Sie schwinden. Viele Akteur:innen arbeiten unter zunehmendem Druck, mit hoher Belastung und unsicheren Perspektiven.  

Auf dem anschließenden Podium wurden diese Befunde politisch, verwalterisch und zivilgesellschaftlich eingeordnet. Es diskutierten Rick Ulbricht (MdL, CDU), Pia-Mareike Heyne (Leiterin des Referats für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt der Stadt Leipzig), Benjamin Winkler (Sprecher:innenrat des Netzwerks Tolerantes Sachsen) sowie Ulrike Bertus (Haus der Demokratie e. V. und Mitglied im LND).  

Besonders kontrovers wurde die aktuelle Fördersituation besprochen. Wie kann Demokratiearbeit verlässlich wirken, wenn ihre Finanzierung immer wieder befristet, überkomplex und politisch angreifbar ist? Rick Ulbricht unterstrich seine Unterstützung für die Arbeit der demokratischen Zivilgesellschaft, verwies zugleich aber auf die engen finanziellen Spielräume angesichts der Haushaltslage. Benjamin Winkler richtete einen deutlichen Appell an ihn und die CDU insgesamt: Demokratische Zivilgesellschaft dürfe nicht zum Spielball eines rechten Anti-NGO-Kulturkampfs werden. Wer Demokratie stärken wolle, müsse diejenigen schützen, die sie vor Ort täglich verteidigen. 

Auch aus Verwaltungsperspektive wurde klar: Gute Demokratiearbeit braucht nicht nur Geld, sondern auch Verfahren, die Arbeit ermöglichen statt erschweren. Pia-Mareike Heyne plädierte deshalb für mehr Bürokratieabbau in der Demokratieförderung. Förderstrukturen müssten der Realität der Akteur:innen entsprechen. 

Einen besonders einprägsamen Vergleich brachte Ulrike Bertus ein. Demokratiearbeit sei wie ein Badezimmer: Wenn man es nicht ordentlich macht und rechtzeitig Geld hineinsteckt, wird es am Ende teuer. Der Satz sorgte nicht nur für Schmunzeln, sondern traf einen zentralen Punkt des Abends: Prävention, Bildung, Beratung und Vernetzung kosten Geld, aber ihre Vernachlässigung kostet eine Gesellschaft weit mehr. 

Zum Abschluss richtete sich der Blick nach vorn: Was ist die Vision für Demokratiearbeit in Leipzig und Sachsen – und was müsste sich dafür konkret ändern? Die Antworten machten deutlich, dass es nicht an Ideen, Engagement oder Expertise fehlt. Was fehlt, sind verlässliche Rahmenbedingungen, politische Rückendeckung und die Anerkennung, dass Demokratiearbeit kein freiwilliges Extra ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für ein demokratisches Gemeinwesen. 

Wir bedanken uns herzlich bei allen Mitwirkenden, den Podiumsgästen und dem Publikum für das rege Interesse und die spannenden Gespräche. Die Diskussion hat gezeigt: Leipzig verfügt über eine starke, wache und engagierte Zivilgesellschaft. Damit das so bleibt, braucht sie mehr als Anerkennung und Applaus – sie braucht Sicherheit, Vertrauen und echte Unterstützung.